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Glossar

Wiesenkundliche Begriffe und Bezeichnungen

Grasland
Wiesen, Weiden, Riede, Rasen sind gewöhnlich von Gräsern geprägt und können im Sinne des berühmten österreichischen Geobotanikers des 19. Jahrhunderts, Anton Kerner von Marilaun, als Grasland bezeichnet werden. Andere Benennungen, z.B. „Grünland“, sind begrifflich meist falsch, sprachlich verfremdet und sollten vermieden werden.

Wiesen sind ursprüngliche oder durch Kulturmaßnahmen geschaffene, meistens ausdauernde Pflanzengemeinschaften, die vorwiegend aus Gräsern und anderen krautigen Arten zusammengesetzt sind; auch Büsche (niedrige holzige Gewächse) können vorhanden sein.

Urwiesen an extremen Standorten sind von Natur aus baumfrei, z.B. kontinentale und alpine Steppen.

Dauerwiesen wurden vom Menschen oder seinen Haustieren an natürlichen Waldstandorten geschaffen. Sie sind auf regelmäßige Nutzung und Pflege angewiesen.

Ansaatwiesen (Kunst- oder Wechselwiesen) sind angesäte, meist 1- bis 3-jährige Gräser-Leguminosen-Gemenge in der Fruchtfolge des Ackers. Sie dienen vor allem der Erhaltung der nachhaltigen Fruchtbarkeit des Ackerlandes und liefern wertvolles Wiesenfutter.

Mähwiesen oder Matten sind gemähte Wiesen: einschürig = einmal, zweischürig = zweimal …, mehrschürig = häufig, halbschürig = jedes zweite oder dritte Jahr gemäht.

Magerwiesen sind ungedüngte, ein- (bis zwei-) oder halbschürige Mähwiesen; am Rand von Wäldern oder Gebüschen werden sie gewöhnlich nur selten gemäht und bilden Saumgesellschaften.

Fettwiesen sind regelmäßig gedüngte ein- bis mehrschürige Mähwiesen.

Trockenwiesen. Auf steinigen, seicht- (flach-) gründigen, durchlässigen Böden, in sonnig-heißen Lagen, in niederschlagsarmen Gebieten; sie trocknen immer wieder stark aus; es sind meist Magerwiesen.

Nasswiesen (Riedwiesen, Riede) kommen an andauernd nassen oder wechselnassen Standorten vor; sie können mager sein, z.B. Davallseggenriede, Pfeifengraswiesen oder fett, z.B. Dotterblumenwiesen, Hochstaudenriede.

Moore sind Nasswiesen auf organischen flach- oder tieftorfigen Böden.

Zwischenfutter (Zwischenfrucht). Es sind meist Gräser-Leguminosen-Gemenge oder Reinsaaten z.B. von Futterraps, die zwischen der Ernte der einen und dem Anbau der folgenden Hauptfrucht auf dem Acker angesät und als Futter genutzt werden.

Weiden sind beweidetes Grasland (Wiesen, Rasen).

Dauerweiden werden nur beweidet und gelegentlich gepflegt.

Standweiden. Die Weidetiere sind meistens mehr als 20 Tage auf derselben Fläche.

Umtriebsweiden (Rotationsweiden). Die Weidefläche ist in Schläge (Koppeln) eingeteilt, in denen die Weidetiere jeweils etwa 5 bis 10 Tage Futter finden.

Mähweiden werden meist abwechslungsweise gemäht und beweidet.

Pflege-Weidegang. Beweiden von Mähwiesen im Frühling, um den Kräuteranteil zu mindern.
Magerweiden werden nicht gedüngt; kleinere Nährstoffmengen stammen direkt von den weidenden Tieren.

Fettweiden werden durch die Weidetiere sowie durch die Düngung mit Nährstoffen versorgt.

Rasen. Es sind gewöhnlich niedrig gewachsene oder häufig genutzte Grasflächen.

Rosettenrasen. Sie bilden sich gewöhnlich in wenig gedüngten, häufig genutzten Dauerweiden; Mittlerer Wegerich, Gänseblümchen, Wiesen-Ferkelkraut herrschen vor.

Wasen. Darunter versteht der bäuerliche Mensch die Pflanzendecke (so genannte Grasnarbe) mit dem dicht bewurzelten Oberboden (etwa 10 bis 15 cm) von Mähwiesen, Weiden und Rasen.

 

Wiesenbewirtschaftung (Düngung, Nutzung, Pflege)

Mist. Kot der Haustiere, vermischt mit Einstreumaterial.

Frischmist ist nicht oder nur kurze Zeit gelagert; enthält ziemlich viel Phosphor, wenig Kali, jedoch ziemlich viel rasch wirksamen Stickstoff.

Rottemist wird einige Monate gelagert und gewöhnlich durch mehrmaliges Wenden immer wieder gelockert; Kleintiere (Würmer, Insekten) und Mikroorganismen ermöglichen die Verrottung; der Stickstoff liegt großteils in organisch gebundener Form vor.

Harngülle (kotarme Gülle, Jauche). Sie besteht vorwiegend aus Harn und wenig Kot; enthält im Verhältnis zu Phosphor viel Kali und rasch wirksamen Stickstoff.

Vollgülle (meistens als „Gülle“ bezeichnet).
Sie besteht aus Kot und Harn; im praktischen Betrieb ist immer Wasser beigemischt; enthält Phosphor, Kali und viel rasch wirksamen Stickstoff.

Heu. Getrocknetes Futter des ersten Aufwuchs.

Emd/Grummet. Getrocknetes Futter des zweiten und der folgenden Aufwüchse.

Silage. Junges, meist angewelktes Futter, das im Silo oder in Silageballen gelagert wird.

 

Nutzungsintensität (Bewirtschaftungsintensität)

Extensiv. Nicht gedüngt und etwa ein- oder zweimal gemäht oder beweidet; im Alpgebiet oft nur jedes 2. oder 3. Jahr gemäht (halbschürig).

Wenig intensiv. Gelegentlich mit Mist, selten mit Gülle gedüngt, ein- bis dreimal gemäht oder beweidet, z.B. Fromental-/Glatthafer- und Goldhaferwiesen, Kammgras- und Milchkrautweiden im Alpgebiet.

Mittel intensiv. Stark mit Mist und Gülle gedüngt und zwei- bis viermal gemäht oder beweidet, z.B. Knaulgras-Kräuter-Wiesen, Raigras-Kammgras-Weiden.

Sehr intensiv. Stark und häufig mit Gülle gedüngt und vier- bis sechsmal gemäht oder beweidet, z.B. Weißklee-Wiesenfuchsschwanz-Matten, Englische Raigras-Wiesenrispengras-Mähweiden, Gras-Weißklee-Mischungen.

Überintensiv. Sehr stark mit Gülle gedüngt und sehr häufig gemäht oder beweidet; es entstehen Kriechrasenflächen, z.B. mit Gewöhnlichem und Einjährigem Rispengras, Ausläufer-Straußgras, Kriechendem Hahnenfuß, Weißklee.

 

Pflanzenbestand (Bestandeslenkung und -erneuerung)

Neuansaat. Ansäen von Gräser-Leguminosen-Gemengen (diese gelegentlich ergänzt mit Wiesenblumen) in der Fruchtfolge des Ackers oder zum Anlegen von Dauerwiesen.

Übersaat/Nachsaat. Ansäen von Gräser-Leguminosen-Gemengen, um geeignete Futterpflanzen in mittel- und sehr intensiv bewirtschafteten Wiesen und Weiden einzubringen oder zu fördern.

Bestandeslenkung. Man versteht darunter die Möglichkeit durch Düngungs-, Nutzungs- und Pflegemaßnahmen, bestimmte Pflanzenarten im Wiesenbestand zu erhalten, zu fördern oder zurückzudrängen.

Lückenbüßer. Meist labile, eher geringwertige Arten, die Lücken rasch besiedeln, aber oft wieder bald verschwinden, z.B. Gewöhnliches Rispengras, oder wertvollen Futterpflanzen den Platz streitig machen, z.B. Ausläufer-Straußgras, Wiesen-Löwenzahn.

Lückenfüller. Stabile, wertvolle Futterpflanzen, die Lücken dauerhaft besiedeln, z.B. Wiesenrispengras, Englisches Raigras, Rotschwingel.

Fütterung der Pflanzenfresser

Futterpflanzen. Wiesenpflanzen für die Ernährung von Tieren. Sie sind nahrhaft, schmackhaft und bekömmlich.

Futter- oder wiesenbaulicher Wert. Wert von Futterpflanzen mit einer bestimmten Ertragsfähigkeit und Nutzungseignung.

Wildpflanzen. Nicht kultivierte, das heißt nicht gezielt ausgelesene und angesäte Wiesenpflanzen.

Kräuter. Im Wiesenbau werden üblicherweise außer Gräsern und Leguminosen (kleeartige Pflanzen) alle übrigen krautigen Gewächse als „Kräuter“ bezeichnet.

Unkraut. Alte Bezeichnung für nicht angesäte Wildpflanzen im Acker und im Garten oder geringwertige und gesundheitsgefährdende (giftige) Pflanzen in Wiesen und Weiden.
Wir verstehen gewöhnlich darunter krautige zweikeimblättrige oder grasartige, oft auch sporenbildende, seltener auch holzige Gewächse; das sprachlich unnötige Wort „Ungras“ vermeiden wir.

Grundfutter/Raufutter. Pflanzenmaterial, gewöhnlich aus Stängeln, Halmen und Blättern bestehend, das den Hauptanteil des Futters ausmacht; Rohfaseranteil meist über 200 g/kg TS; Energiegehalt meist unter 6,5 MJ NEL/kg TS.

Kraftfutter/Konzentrat. Es besteht meistens aus rohfaserarmen und eiweiß- oder energiereichen Körnerfrüchten.

Rohfaser (RF). Darunter verstehen wir schlecht bis unverdauliche, verholzte Pflanzenfasern (z.B. Zellulose, Lignin).

Rohprotein/Roheiweiß (RP). Darunter verstehen wir stickstoffhaltige, pflanzliche Substanzen (z.B. N x 6,25).

Absorbierbares Protein (APD). Es ist jener Teil des Eiweißes, der durch den Darm aufgenommen werden kann; gemessen in Gramm/kg TS.

Netto-Energie-Laktation (NEL). Energie, die für die Milchproduktion nutzbar ist; gemessen in Megajoule MJ/kg TS.

Trockensubstanz (TS). Wasserfreie pflanzliche Substanz.

 

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